Liebe Leserinnen, liebe Leser,

 

2018 – 1918 – 1618

Das sind Daten, die mir in diesem Jahr sofort in den Sinn kommen. Ich bin keine Historikerin, aber mein laienhaftes Geschichtswissen aus Schule und Studium lässt mich diese Eckdaten in Erinnerung rufen:

 

23. Mai 1618 der sog. „Prager Fenstersturz“, der einen europäischen Krieg auslöste, der länger und grausiger nicht gewesen war bis dahin. Eindrücklich sind mir die bitteren Beschreibungen der „Mutter Courage“ aus Bertolt Brechts gleichnamigem Stück in Erinnerung. 30 Jahre Krieg. Verwüstung, Plünderungen, Hunger, Entvölkerung auf der einen Seite, Herrschafts- und Landgewinn auf der anderen.

Kaum vorstellbar, dass der wieder aufflammende Konfessionsstreit einen Krieg solchen Ausmaßes auslöste.

Religionskriege erleben wir heute anders und vor allem in anderen Teilen der Welt, wo um die – angeblich – rechte Glaubenslehre, um Macht und Einfluss grausam gekämpft wird.

 

Am 4., bzw. 5. Oktober 1648 fand die letzte Schlacht dieses schier endlos scheinenden Krieges vor den Toren Dachaus statt. Am nächsten Tag räumten die französischen und schwedischen Truppen die Stadt.

Drei Wochen später wurde der „Westfälische Frieden“ geschlossen und ein Friedensvertrag unterzeichnet, um den jahrelang gerungen worden war.

Vielleicht wurde mit ihm auch das Zeitalter der Diplomatie eingeläutet.

Der Westfälische Friede markiert das Ende des Krieges und führt zum friedlichen Zusammenleben der Konfessionen in Deutschland und der Gleichberechtigung der Staaten in Europa.

 

Ich bin dankbar, dass wir 2017 im friedlichen und geschwisterlichen Miteinander von Evangelischer und Katholischer Kirche an die Reformation erinnern und diese begehen durften. Und es stimmt mich hoffnungsvoll, dass immer wieder Menschen unterschiedlicher Konfessionen und Religionen Wege finden, miteinander zu beten, zu feiern, Stadt- und Gesellschaftskultur miteinander zu gestalten.

 

Das war wohl eine der größten Aufgaben nach 1918, dem Ende eines Krieges, wie ihn die Welt noch nicht gesehen hatte, die „Urkatastrophe unserer Zeit“, wie manche Historiker diesen verheerenden Krieg auch nennen:

Frieden gestalten nach einem unbeschreiblichen Blutrausch.

 

Erstmals erschienen 1920 Tagebuchaufzeichnungen des Philosophen und Schriftstellers Ernst Jünger, die das Erleben des 1. WK schildern, in dem Jünger von Jan. 1915 bis August 1918 an der deutschen Westfront als junger Kriegsfreiwilliger kämpfte. Sein Ankommen an der Front beschreibt er so:

„Der Atem des Kampfes weht herüber und ließ uns seltsam erschauern. …

Wir hatten Hörsäle, Schulbänke und Werktische verlassen und waren in den kurzen Ausbildungswochen zu einem großen begeisterten Körper zusammengeschmolzen. Aufgewachsen im Zeitalter der Sicherheit, fühlten wir alle die Sehnsucht nach dem Ungewöhnlichen, nach der großen Gefahr. Da hatte uns der Krieg gepackt wie ein Rausch. In einem Regen von Blumen waren wir hinausgezogen, in einer trunkenen Stimmung von Rosen und Blut. Der Krieg musste es uns ja bringen, das Große, Starke, Feierliche. …“

Ganz anders beginnt Erich Maria Remarque sein Buch „Im Westen nichts Neues“, das ebenfalls die Erlebnisse eines jungen Soldaten im 1. WK schildert; keine Spur von Heroismus, im Gegenteil:

Folgender Satz leitet in das Werk ein: „Dieses Buch soll weder eine Anklage noch ein Bekenntnis sein. Es soll nur den Versuch machen, über eine Generation zu berichten, die vom Kriege zerstört wurde – auch wenn sie seinen Granaten entkam.“

 

In diesem Spannungsfeld bewegen wir uns, wenn wir über Krieg nachdenken und um Frieden bitten, heute noch.

Immer noch gibt es fanatische, begeisterte Kriegstreiber – und Millionen von Opfern, die der Krieg zerstört, auch wenn sie die Granaten, Bomben, Peinigungen überleben…

 

Darum erinnern wir uns – nicht um der Erinnerung willen, sondern um nicht zu vergessen, wie kostbar der Friede ist – und um Spuren zu suchen und zu entdecken, die zum Frieden führen.

 

Die Bildungsangebote der Friedenskirche, Gnadenkirche, Korneliuskirche und der Kirchengemeinde Kemmoden-Petershausen verstehen sich auch in diesem Sinne als „kulturschaffend“, als Beitrag zu einer Kultur des friedlichen Miteinanders in Stadt und Land.

Die Angebote und Beiträge der Versöhnungskirche und der KZ-Gedenkstätte erinnern in besonderer Weise an die Kostbarkeit von Frieden, von Freiheit und Würde des Menschen.

 

Wir danken allen Haupt- und Ehrenamtlichen, die zu diesem Programm beigetragen haben! Ein herzlicher Dank an Frau Karin Kunze, die sich um das Programm und viele wichtige Belange Evangelischer Bildungsarbeit in Dachau und im Landkreis kümmert!

 

Ich wünsche Ihnen anregende Erfahrungen  und bereichernde Begegnungen!

 

Pfarrerin Ulrike Markert

Posted by lowhuber On Februar - 28 - 2012